Kakapo Update

KAKAPO UPDATE - SEPTEMBER 1998

Es ist nur ein einzelner Kakapo bekannt, der während der Saison 1998 genistet hat – der erste, der überhaupt auf den Maud Inseln gebrütet hat. "Flossie" und "Richard Henry", die im Juli 1996 von den "Little Barrier Inseln" auf die Maud Inseln umgesiedelt wurden (mit dem Ziel, ihre Brutaussichten zu erhöhen) paarten sich in der Nacht vom 30. Januar, und Flossie legte zwischen dem 4. und 10. Februar ihre Eier.

"Flossie‘s" drei Kakapoeier waren befruchtet. Sie schlüpften zwischen dem 6. und 13. März. Die ersten beiden Nestlinge wurden bei der Mutter gelassen und legten sehr schnell an Gewicht zu; das dritte Küken war etwas kleiner als die beiden anderen (ca. 23 Gramm im Vergleich zu 26-27 Gramm, die normalerweise erreicht werden), aber er war widerstandsfähig und aktiv. Da er jedoch bedeutend kleiner als die beiden anderen Küken war, war "Nummer 3" in der Futterbeschaffung benachteiligt und nahm nicht so schnell an Gewicht zu wie seine Geschwister. Daher wurde er im Alter von 24 Tagen von seinen Geschwistern getrennt, um mit der Hand aufgezogen zu werden. Mitte April wurde er in die Burwood Busch-Aufzuchtstation in der Nähe von Te Anau gebracht. Die beiden älteren (von den Eltern aufgezogenen) Küken nahmen sehr viel schneller an Gewicht zu als die Nestlinge, die im Gebiet von "Little Barrier" und auf den Codfish Inseln geschlüpft sind (vom gleichen Geschlecht, für die es Wachstumskurven gibt). Beide wurden Ende Mai flügge (im Alter von 10-12 Wochen). Jetzt, da sie 6 Monate alt sind, wiegt das Weibchen 1,7 kg und das Männchen 2,2 kg. Das Küken, das einzeln mit der Hand aufgezogen wurde, kehrte im Juni auf die Maud Inseln zurück und wiegt mittlerweile 2,2 kg.

Das Geschlecht wurde für alle drei Nestlinge durch eine DNA-Analyse bestimmt. Die DNA wurde aus dem Blut gewonnen, das nach dem Schlüpfen noch an den Eierschalen klebte – zwei Küken sind männlich und eins ist weiblich. Das Weibchen schlüpfte als erstes von den dreien. Abgesehen von "Hoki" (jetzt 6 Jahre alt) ist es das einzige überlebende Weibchen, das seit 1981 geschlüpft ist.

Die Namen der Vögel:

Nummer 1: Das Weibchen heißt "Kuia", nach Ngati Kuia, der örtlichen Iwi der Maori. Kuia bedeutet: Matriarch oder weise, alte Frau.

Nummer 2: Das Männchen "Gulliver", benannt nach dem Tal im Fjordland , in dem sein Vater Richard Henry vor 23 Jahren gefunden wurde.

Nummer 3: Das Männchen "Sinbad", benannt nach Sinbad Gully, Milford Sound, Fjordland – eines der wenigen verbleibenden Territorien der Kakapos auf dem Festland – dieser Name weist wiederum auf die Herkunft Richard Henry‘s (und auch die des Kükens) hin.

Flossie hat offensichtlich eine hervorragende Futterquelle entdeckt. Wir haben durch eine Analyse von Pflanzenteilen in den Vogelexkrementen entdeckt, daß der Schlüssel zu dieser außergewöhnlichen Wachstumsrate die eingeführte Monterey-Pinie war!! Flossie‘s Nest befand sich in einem ca. 20 ha großen Gebiet, das mit Pinus radiata bewachsen war!! Die Spitzen der Piniennadeln machten so einen großen Teil von Flossie‘s Ernährung aus – und somit auch von der Ernährung der Küken. Sie ernährte sich außerdem von Samen und Halmen verschiedender Weidegräser wie auch von ergänzendem Futter wie etwa Nüssen.

Ich glaube, daß das Brutergebnis höchst bedeutsam ist: die Tatsache, daß Kakapos sich einer fremden Umwelt anpassen und sogar in ihr erfolgreich brüten können - eine exotische Pinienplantage auf einer kleinen, stark durch Menschen beeinflußten Insel – hat wichtige Auswirkungen auf die Arterhaltung. Die erfolgreiche Übertragung von Genen der letzten überlebenden Kakapos auf den Fiordland-Inseln in die neue Generation hinein ist ein Erfolg in sich selbst; und das Überleben aller drei Küken – insbesondere das Heranzüchten eines so dringend benötigten Weibchens – ist Grund für wahren Optimismus.

Vor nunmehr 24 Jahren brachten Kollegen vom Wildlife Service und ich die ersten zwei (männlichen) Kakapos aus dem Fiordland zu den Maud Inseln. Im folgenden Jahr (1975) fingen John Cheyne und ich Richard Henry (RH) und siedelten ihn aus dem Gulliver Tal, Milford, Fjordland, nach Maud über. Wir nahmen an, daß es sich hierbei um ein ausgewachsenes Männchen handelte. Er wurde nach Richard Henry von den Resolution Inseln benannt, der Visionär und pionierhafte Artenschützer Neuseelands, der um 1890 und in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts seinen Lebensabend der Rettung der Kakapos gewidmet hat. Als 1982 die ersten Hermeline auf die Maud Inseln kamen, brachte ich RH zusammen mit drei anderen Kakapos von Maud zu den Little Barrier Inseln (LBI).

RH lebte die folgenden 14 Jahre auf Little Barrier, und obwohl er verschiedene Systeme für Brutlöcher fand die in einer Reihe von Jahren Balzverhalten aufwiesen, konnte er offensichtlich seine Brutstätte nicht halten, und es ist nicht bekannt, daß er sich gepaart hat. Da es unwahrscheinlich war, daß er auf LBI brüten würde, die Weitervererbung seiner Gene jedoch von herausragender Bedeutung war (er ist der letzte bekannte Kakapo des neuseeländischen Festlandes), plädierte ich einige Jahre lang für seine Rückkehr zu den Maud Inseln, wo die Fortpflanzungsaussichten sehr viel besser zu sein schienen (es ist eine kleinere Insel mit weniger Männchen, die mit ihm in Wettstreit treten konnten).

1996 beschloß die Kakapo Management Gruppe und das Komitee für Kakapo Wissenschaft & Technische Überwachung, RH nach Maud zurückzubringen. Im Juli desselben Jahres brachten wir ihn und Flossie also dorthin. Nach nur 18 Monaten war RH schon der geräuschvollste der vier Männchen auf Maud, und er baut auch die am weitesten entwickelten Brutlöcher. Er ist auch das einzige Männchen, von dem bekannt ist, daß es gebrütet hat – mit ziemlicher Sicherheit zum ersten Mal nach 23 Jahren, und vielleicht auch zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt! Wir wissen nicht, wie alt RH ist – mindestens 30 Jahre, aber sehr wahrscheinlich über 50!

Tony Roxborgh und Locki Carmichael fanden im Mai 1982 "Flossie" auf den Stewart Inseln und benannten sie nach Lockie‘s Mutter. Wir brachten Flossie 1982 zusammen mit 21 anderen Vögeln nach LBI. Ihr Alter ist unbekannt (so wie bei ca. 80% der 56 Kakapos, die uns als letzte Überlebende ihrer Art bekannt sind), und es ist relativ gewiß, daß sie in den 14 Jahren auf LBI keinen Brutversuch gestartet hat. Da sie sehr abgeschiedene Plätze zu ihrem Lebensraum wählte, wodurch sie nur noch sehr schlecht zu beaufsichtigen war, wurde sie (und RH) 1996 nach Maud zu drei Männchen und zwei Weibchen gebracht, die schon seit 1989-1991 dort lebten. Im Gegensatz zu ihrem zurückgezogenen Leben auf LBI hat Flossie seitdem ergänzende Nahrung akzeptiert und sich auch wieder besser beobachten lassen.

Das gegenwärtige Nest auf Maud ist aus vielen Gründen bedeutsam:

Die beiden anderen Weibchen auf Maud haben diese Saison nicht gebrütet. Sowohl auf LBI als auch auf Maud konnte intensives und anhaltendes Brutverhalten beobachtet werden, auf den Codfish Inseln hingegen wurde in dieser Saison weder anhaltendes Balzen noch Brüten betrieben. Es gab eine Paarung auf Little Barrier, aber da keines der drei bekannten (also umgesiedelten) Weibchen offensichtlich etwas damit zu tun hat, vermuten wir, daß eines der beiden Weibchen, die mehr als 12 Jahre nicht mehr gesehen wurden, immer noch lebt – und sich gepaart hat. Hunderudel haben im frühen März mögliche Stellen auf LBI durchsucht, es wurde aber kein Nest gefunden. Die drei Weibchen wurden Mitte Mai von LBI nach Maud gebracht, und im August wurden drei der Männchen umgesiedelt – eines nach Maud und zwei nach **** oder die Nukuwaiata Insel. Auch ein Männchen von Maud wurde im August nach Nukuwaiata gebracht.

Mit der Ausnahme von einem Weibchen ("Nora"), das Mitte Mai nach Maud umgesiedelt wurde, wurden alle bekannten Kakapos im April der Codfish Inseln zu nahegelegenen Inseln gebracht. Somit wurde den Angestellten des Department of Conservation‘s Southland Conservancy ermöglicht, gegen die Ratten auf Codfish anzukämpfen. Mit einem Hubschrauber wurde im August überall auf der Insel in zwei Schritten Rodentizide versprüht. Die Kakapos werden wieder zurückgebracht, wenn keine Restsubstanz mehr vorhanden ist – dies wird wahrscheinlich im Oktober 1998 sein. Wie auch immer – das Ergebnis der Rattenbekämpfung ist wahrscheinlich nicht vor Mitte des Jahres 2000 ersichtlich.


 New
Zealand Department Of Conservation - Te Papa AtawhaiDiese Aktualisierung wurde bereitgestellt durch:
Don Merton, September 1998
National Kakapo Team.